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Kerstin Wolf

Statement

Meine künstlerische Praxis ist überwiegend autodidaktisch geprägt. Lernen bedeutet für mich ein fortlaufender Prozess des Ausprobierens, Beobachtens und der stetigen Weiterentwicklung meiner eigenen Arbeitsweise. Im Zentrum steht dabei die Neugier: das Entdecken neuer Techniken und das bewusste Ausloten der Grenzen zwischen klassischen und unkonventionellen Methoden. 

 

Ich begreife Malerei als offenes Experimentierfeld, in dem Regeln hinterfragt und Materialien neu gedacht werden. Meine Arbeiten entstehen oft intuitiv, getragen von einem Wechselspiel aus Kontrolle und Zufall. So entwickeln sich Bildräume, die sowohl vertraut als auch irritierend wirken können. 

 

Ein wesentlicher Bestandteil meines künstlerischen Prozesses ist der Austausch mit anderen Kunstschaffenden. Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Arbeiten eröffnen neue Perspektiven und dienen mir als wichtige Inspirationsquelle. Diese Impulse fließen unmittelbar in meine Praxis ein und tragen dazu bei, meine visuelle Sprache kontinuierlich zu erweitern. 

 

Für mich ist Kunst kein abgeschlossener Zustand, sondern ein dynamischer Prozess – ein fortwährendes Suchen, Verwerfen und Neuformulieren. 

 

„Er und sie“ thematisiert die unsichtbaren Ebenen menschlicher Beziehungen: Gefühle, Erinnerungen, Verletzlichkeit und innere Welten, die oft hinter äußeren Fassaden verborgen liegen. Das Werk lädt dazu ein, über Wahrnehmung nachzudenken — darüber, wie viel wir von anderen wirklich sehen und wie viel uns verborgen bleibt. 

 

Das abstrakte Doppelporträt zeigt zwei Gesichter, die scheinbar aus einer fragmentierten Oberfläche hervortreten. In kühlen Blau-, Weiß- und Grautönen verschwimmen Konturen, Gedanken und Identitäten miteinander. Die Figuren wirken gleichzeitig präsent und entrückt — sichtbar und verborgen zugleich. 

 

Die Augen bilden den emotionalen Mittelpunkt des Werkes. Sie begegnen dem Betrachtenden direkt, bleiben jedoch rätselhaft und ungreifbar. Während einzelne Gesichtszüge klar hervortreten, lösen sich andere Partien beinahe vollständig im Hintergrund auf. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem, was erkannt werden kann, und dem, was verborgen bleibt. 

 

Im Kontext von „Seen / Unseen“ wird das Bild zu einer Reflexion über Nähe, Identität und die unsichtbaren Spuren zwischen zwei Menschen.

Er und Sie, 2024
Acryl auf Leinwand, 80x60cm

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