Jochen Ulmer
Statement
Meine Malerei bewegt sich zwischen abstrakten Landschaften und fragmentierten Figurenräumen. Meine Bilder sind wie Kartografien der Erinnerung – innere Landschaften, in denen Farbe, Linie und Überlagerung die Spuren gelebter Erfahrung sichtbar machen.
In einer Welt, die häufig oberflächlich erscheint und die Tiefe der Erinnerung übersieht, möchte meine Kunst die verborgenen Landschaften unseres Bewusstseins sichtbar machen. Inspiriert durch die Natur als Spiegel der inneren Wirklichkeit öffne ich in meinen Bildern Zugänge zu Räumen jenseits der sichtbaren Welt. Diese inneren Landschaften formen sich aus Schichten von Erinnerungen, verwoben zu neuen Bedeutungen und Erkenntnissen. Meine künstlerische Methode ist geprägt von Übermalungen und dem bewussten Umgang mit Spuren vergangener Zustände. Ähnlich wie in unserer Erinnerung bleiben manche Ebenen verborgen, manche treten klar hervor, andere existieren als subtile Andeutungen. So entstehen komplexe und vielschichtige Werke, die den Prozess des Erinnerns selbst reflektieren: das Übereinanderlegen, Vergessen und Wiederentdecken unserer Lebensgeschichte. Durch die Abstraktion strebe ich nicht die Entfernung von der Wirklichkeit an, sondern eine tiefere, radikal subjektive Auseinandersetzung mit ihr. Meine Bilder repräsentieren daher keine geographischen Orte, sondern Landschaften des Bewusstseins – fragmentarisch, vielschichtig und zutiefst persönlich. Sie sind Orte der Erkenntnis, Orte, an denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen und uns ermöglichen, uns selbst neu zu entdecken und zu verstehen. Ich lade dich ein, durch meine Werke deine eigene Reise anzutreten, deinen persönlichen Pfad der Erinnerung zu erkunden und dabei Klarheit über deine Identität und deine Geschichte zu gewinnen. Gemeinsam können wir eine Zukunft schaffen, die bewusster, menschlicher und nachhaltiger ist – geformt aus der bewussten Reflexion unserer Erinnerungen.

Hidden behind Veils - the Unknown, 2024
Öl auf Leinwand, 125x90cm
Über das Bild „Hidden behind Veils - The Unknown“
„Hidden Behind Veils – The Unknown“ aus der Serie „Topography of Memories“ wirkt wie eine Landschaft des Erinnerns, die sich zugleich öffnet und entzieht. Vertikale Farbbahnen in Orange, Gelb und Grau erinnern an Schleier, Vorhänge oder Baumstämme – sie strukturieren den Raum, verdecken ihn aber ebenso. Dahinter treten Fragmente einer inneren Topografie hervor: organische Formen, angedeutete Wege, kreisartige Spuren und farbige Übergänge, die wie Relikte vergangener Erfahrungen wirken. Nichts erscheint vollständig lesbar; jede Form scheint nur teilweise sichtbar, als würde sie aus tieferen Schichten des Gedächtnisses auftauchen und im selben Moment wieder verschwinden.
Innerhalb der Serie Topography of Memories setzt das Werk die Idee fort, Erinnerung nicht als statisches Bild, sondern als bewegliches Geflecht von Spuren zu begreifen. Die Überlagerungen und Verschiebungen erzeugen eine malerische Struktur, in der Sichtbares und Verborgenes gleichzeitig existieren. Gerade die roten und weißen Bogenformen wirken dabei wie Markierungen eines inneren Weges – Fragmente einer Orientierung, die nie ganz abgeschlossen ist. Das Bild erzählt nicht von einem konkreten Ort, sondern von dem Versuch, sich in den verdeckten Landschaften der eigenen Erinnerung zu bewegen.
Im Kontext der Ausstellung Seen/Unseen erhält das Werk eine zusätzliche Bedeutungsebene. Die Arbeit bewegt sich genau an jener Grenze, die der Ausstellungstitel beschreibt: zwischen dem, was sichtbar wird, und dem, was sich entzieht. Hinter den farbigen Schleiern bleibt etwas verborgen – das Unbekannte, das nicht vollständig erinnert oder benannt werden kann. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Offenlegung und Verhüllung: Das Bild lädt den Betrachter ein, Spuren zu lesen, ohne jemals eine eindeutige Auflösung zu erhalten. Gerade dieses Schweben zwischen Präsenz und Entzug macht das Werk zu einer starken Position innerhalb von Seen/ Unseen.
