Yvonne Strecker
Statement
In meiner Malerei setze ich mich mit inneren Zuständen auseinander – ein fortwährender Dialog zwischen Chaos und Struktur, zwischen Freiheit und Kontrolle. Der kreative Prozess ist für mich ebenso impulsiv wie reflektiert: Intuition trifft auf Komposition, spontane Geste auf bewusstes Eingreifen.
Mit „Kintsugi“ rücke ich dabei unsere Brüche, Verletzungen und Narben ins Zentrum. Inspiriert von der japanischen Kunst, Zerbrochenes mit Gold zu reparieren, interessiert mich nicht die Illusion von Ganzheit, sondern der Moment danach – wenn etwas verletzt, sichtbar gefügt und gerade dadurch kostbar wird. Die aufgerissenen Flächen, Überlagerungen und goldenen Spuren stehen für Erfahrungen, die uns zeichnen und zugleich tragen.
Diese Gegensätze stehen nicht im Widerspruch zueinander – sie durchdringen sich, fordern und formen einander. Das Chaos bleibt dabei immer spürbar; es ist nicht nur Ursprung, sondern auch Tiefe und Ausdruck meiner Bilder. Die „Bruchlinien“ werden zu Orientierungen: Linien, an denen Identität sich neu zusammensetzt und Fragilität in Stärke kippt.
Ich arbeite hauptsächlich mit Acrylfarben und ergänze sie um Ölpastell und andere Materialien, die mir erlauben, sowohl impulsiv als auch kontrolliert zu arbeiten. So entstehen Arbeiten, die wie innere Landschaften wirken – voll Spannung, Bewegung und einer leisen, aber entschiedenen Wertschätzung für das Unvollkommene als Teil unseres Menschseins.

Kintsugi, 2025
Mixed Media, 64x50cm
