Sabo Ramin

Das strahlende Zentrum im Rauschen der Stadt

Wir wissen nichts von den Schmerzen des Anderen. Kafka schrieb, dass wir deshalb so ehrfürchtig und liebend voreinander stehen sollten wie vor dem Eingang zur Hölle. Dieser Satz leitet mich – nicht als distanzierter Beobachter, sondern als jemand, der viel gesehen hat. In mir selbst und in den unzähligen Leben, denen ich täglich begegne.

Broken Mask, 2025
Mixed Media, 85x60cm 

Das Paradoxon der Existenz

In meiner Kunst untersuche ich die Spannung zwischen der einsamen Anonymität derGroßstadt und der Tatsache, dass jeder einzelne Mensch gleichzeitig das strahlende Zentrum seines eigenen, gewaltigen Universums ist. Wir ziehen als Schatten aneinander vorbei, doch in jedem von uns brennt ein ganzes System aus Träumen, Melancholie und Licht. Meine Arbeit sucht den Moment, in dem diese Universen sich berühren. Eine solche Verbindung ist kein Zufall — sie ist eine Entscheidung. Sie braucht den Mut zur totalen Verwundbarkeit, das Ablegen der Maske im grellen Neonlicht, um sich wirklich begegnen zukönnen.

Der Prozess: Widerstand und Ermächtigung

Meine Bilder entstehen dort, wo das Leben drängt: im Regionalexpress zwischen Klinikalltag und Familie. Das digitale Malen auf dem iPad ist für mich kein Kompromiss, sondern ein Sieg. Ein medikamentenbedingter Tremor macht die ehemals ruhige Hand zur Herausforderung; die Technologie wird zur Prothese meines Geistes. Die digitale Strichstabilisierung erlaubt es mir, die rohe, dynamische Energie meines Inneren präzise zu kanalisieren. Es ist eine tägliche Selbstbehauptung gegen die eigene Biologie – ein Akt der Freiheit, der keine Ausreden zulässt. Ein digitaler Entwurf ist für mich nur der Anfang. Ich bringe das Bild in die physische Welt, um es dort haptisch zu vollenden und ihm eine Seele aus Materie zu geben.

 

Fluoreszenz: Ich übermale Flächen mit Neonfarben und irisierenden Pigmenten. Es entsteht ein Licht, das sich nicht digital einfangen lässt und das über den Rand der Leinwand hinausdrängt.

 

Struktur: Schwere Acrylpaste gibt dem Werk eine körperliche Tiefe. Man spürt den Widerstand, die Furchen und die Präsenz des Materials.

Meine Arbeiten sind für die Suchenden, die Queers und die Nachtgestalten. Sie sollenein Anker sein, eine Ermutigung, die eigene Freiheit radikal anzunehmen und die schwindelerregende Offenheit zu wagen. Denn wie Leonard Cohen wusste: There‘s acrack in everything — that‘s how the light gets in.

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