Henriette Striegler
Statement
„Kunst muss nicht alle Antworten geben. Manchmal genügt es, einen Raum zu öffnen.“
Henriette Striegler ist freischaffende Künstlerin, lebt und arbeitet in Gomaringen. In ihrem „Atelier am Schloss“ entstehen Werke, die sich zwischen gegenständlicher Präzision und freier Abstraktion bewegen. Neben der Malerei beschäftigt sie sich in jüngerer Zeit verstärkt mit experimentellen Papierarbeiten, Struktur, Schichtung und Materialität.
Ergänzend zu ihrer künstlerischen Tätigkeit absolvierte sie Ausbildungen in Kunsttherapie und kunsttherapeutischem Coaching. Die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Ausdruck und inneren Bildern prägt ihren Blick auf künstlerische Prozesse bis heute.
Auch in diesem Jahr ist sie bei verschiedenen Kunstprojekten und Ausstellungen vertreten, darunter „Kunst im Garten“ mit Live-Malerei sowie eine Ausstellung aktueller Papierarbeiten im Rathaus Gomaringen. Die kontnuierliche Präsenz in regionalen Ausstellungen spiegelt ihre lebendige und vielseitige künstlerische Praxis wider. Gleichzeitig versteht sie ihr „Atelieram Schloss“ in Gomaringen als offenen Ort der Begegnung mit Kunst. Dort gibt sie Malkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, begleitet individuelle künstlerische Entwicklungen und ermutigt Menschen, ihren eigenen Ausdruck zu entdecken. Wer ihr Atelier besucht, begegnet nicht nur fertigen Werken, sondern einem lebendigen künstlerischen Prozess, der von Neugier, handwerklicher Präzision und Freude am Experiment geprägt ist.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie Atmosphäre und Spuren sichtbar werden können. Dabei interessiert sie oft weniger die exakte Beschreibung eines Ortes als die emotionale und minimalistische Erfahrung, die mit ihm verbunden ist. Licht, Farbe, Transparenz und Schichtung werden zu eigenständigen Bildträgern.

Leuchtende Tiefe, 2023
Acryl auf Leinwand, 120x100cm
Werkbeschreibung
Das Werk „Leuchtende Tiefe“ verkörpert diesen Ansatz in besonderer Weise. Es entstand aus der Auseinandersetzung mit Farbe als Erlebnisraum. Für das Werk wurden moderne Ultramarinpigmente verwendet, deren Farbtradition auf das historische Lapislazuli-Ultramarin zurückgeht, jenes legendäre „blaue Gold“ der Malerei. Ursprünglich aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewonnen und zeitweise kostbarer als Gold gehandelt, war Ultramarin den bedeutendsten Bildpartien vorbehalten und wurde zum Symbol für Tiefe, Sehnsucht und Transzendenz.
In „Leuchtende Tiefe“ wird diese Tradition in eine zeitgenössische Bildsprache überführt. Schicht um Schicht entfaltet sich ein Raum von großer atmosphärischer Dichte. Licht scheint aus dem Inneren der Farbe aufzutauchen und durchdringt die unterschiedlichen Blautöne. Esentstehen Assoziationen an Wasser, Himmel, Ferne und Erinnerung, ohne sich auf eine konkrete Deutung festzulegen. Die Komposition lebt von der Spannung zwischen Stille und Bewegung, zwischen Verdichtung und Transparenz. Mit zunehmender Betrachtungsdauer offenbaren sich immer neue Nuancen, Reflexionen und Lichtspuren. Das Bild verändert sich mit dem Blick des Betrachters und bleibt dadurch in Bewegung.
Henriette Strieglers Arbeiten laden dazu ein, länger zu verweilen. Sie verstehen sich nicht als eindeutige Erzählungen, sondern als offene Erfahrungsräume, in denen Betrachterinnen und Betrachter ihre eigenen Erinnerungen, Gedanken und Empfindungen entdecken können.
